Survival-Kit für Journalisten

Was braucht man, um im Journalismus bestehen zu können und die Freude daran nicht verlieren? Diese Frage habe ich mir vor bald zwei Jahren gestellt, als meine ersten Studis ihren Master gemacht haben und ich mich fragte, was ich ihnen mitgeben will. Entstanden sind acht Punkte, die ich auf einem Post-it-Zettel notierte. Vielleicht gibt dieser Zettel denjenigen unter euch, die trotz allem im Beruf bleiben wollen, den einen oder anderen Denkanstoss. Falls ihr nicht ganz sicher seid, was ich meine, findet ihr auf der nächsten Seite kurze Erklärungen dazu.
  • Machen. Nicht nur reden.

Diejenigen Menschen, die ich kenne, die spannende Jobs haben und ein interessantes Leben, haben sich das selber organisiert. Ich kenne keinen, bei dem es mit Warten und darüber Reden geklappt hat.

  • Umgib dich nur mit inspirierenden Leuten.

Dazu brauch ich – glaube ich – nichts zu sagen. Ausser: Warum um himmelshergottswillen soll man auch nur eine Minute mit langweiligen, nörgelnden oder negativen Menschen verbringen?

  • Es gibt das Glück des Tüchtigen.

Ich habe es selber immer wieder erfahren und kenne ganz viele, bei denen es auch geklappt hat. Probiert es doch mal aus!

  • Mach nichts, was dich langweilt. Und wenn: nur kurz und nur dann, wenn es gut zahlt.

Guter Journalismus wurde schon immer quersubventioniert und wird es auch in der Zukunft sein. Mal schön Geld zu verdienen beruhigt zudem die Nerven ungemein und macht es möglich, Zeit für ein spannendes Projekt einzusetzen. Man kann sich natürlich darüber aufregen, dass das nicht richtig ist. Ich habe es mir abgewöhnt, weil es nichts bringt und nur Energie frisst.

  • Spezialisiere dich.

Diejenigen Journalisten, die spannende Jobs haben, können etwas, was andere nicht so gut machen. Das muss nicht unbedingt eine thematische Spezialisierung sein, es kann auch Form (z.B. Interview) oder Technik (Multimedia-Produktionen) sein.

  • Mach dich unersetzlich oder schaffe dich ab.

Was ich meine: Wirklich frei ist man nur, wenn man nichts zu verlieren hat. Statt zu warten, bis man abgeschafft ist, tut man es lieber selber und macht dann was Neues, Spannendes. Alternativ kann man sich auch an die Spitze der Entwicklung setzen und sich unersetzlich machen. Das ist radikal, anstrengend und man baut sich so keine Villa. Aber dafür ist man frei.

  • Hab immer eine Alternative in der Hinterhand.

Abhängigkeit ist das Schlimmste, was einem Journalisten, einer Journalistin passieren kann. Wer Angst hat um seinen Job, aber keine Alternativen riskiert, ängstlich und zynisch zu werden. Schaut euch doch mal auf Redaktionen um, dann wisst ihr, was ich meine.

  • Antworte 1x pro Jahr ehrlich auf die Frage: Stimmt es noch?

Strategische Karriereplanung ist nicht das Ding von Journalisten. Bei uns geht es um Inhalte, um Geschichten. Und was für eine Karriere sollen wir denn überhaupt machen?!? Der enge Fokus auf den journalistischen Alltag verstellt allerdings oft den Blick auf die grossen Umwälzungen in der Branche, die unseren Alltag nachhaltig verändern und uns dann vor vollendete Tatsachen stellen – meist, wenn es schon zu spät ist (siehe Punkte oben). Sollte die jährliche Analyse, die man gerne auch bei einem schönen Nachtessen mit lieben Freunden machen kann, ergeben, dass es nicht mehr stimmt, geht es zurück zu Punkt 1. Und zwar schnell!

 

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