Social Media: Es geht nicht um uns!

Social Media beflügelt Eitelkeiten. «Basteln an der Ich-AG» nennt Antonio Fumagalli dieses Phänomen in seiner Kolumne für die Medienwoche. Soziale Medien nur in diesem Licht zu betrachten mag eine gute Ausrede bieten, sich nicht mit dem Thema beschäftigen zu müssen. Das ist aber ein Fehler.

Fumagalli hat recht mit seiner Aussage, dass gerade junge Journalistinnen und Journalisten sich auf Twitter, Facebook und persönlichen Websites promoten was das Zeug hält. Ich bin daran nicht ganz unschuldig. Ich arbeite unter anderem am MAZ, der Schweizer Journalistenschule. Als Studienleiterin bin ich dort für die Multimedia-Kurse in der Diplomausbildung verantwortlich und zwinge in dieser Funktion alle Studierenden, einen eigenen Webauftritt inklusive sozialer Medien zu pflegen. In den zwei Jahren ihrer Ausbildung müssen unsere Studierenden eine eigene digitale Präsenz aufbauen, die (zu) ihnen passt und das widerspiegelt, was ihnen als Berufsfrau, als Berufsmann wichtig ist.

Ich würde deshalb nicht so negativ urteilen wie Antonio Fumagalli: Die jungen Kolleginnen und Kollegen eignen sich die neuen Möglichkeiten «learning by doing» an. Natürlich kann es dabei passieren, dass sie über das Ziel schiessen. Schliesslich ist das eine neue Form der Kommunikation mit ganz anderen Dimensionen und die muss man sich erst erschliessen. Meine Erfahrung zeigt allerdings: Die allermeisten entwickeln recht schnell einen souveränen Umgang mit sozialen Medien. Und viele bekommen sogar Freude daran.

Fumagalli hat natürlich auch nicht unrecht wenn er sagt, dass die «sogenannt» soziale Medien Eitelkeiten fördern. Und dass es in unserer Branche viele eitle Gecke gibt, ist auch kein Geheimnis. Wer aber so wie er argumentiert, hat nicht verstanden, dass das höchstens ärgerlich ist, aber nicht das Problem. Das eigentliche Problem ist, dass wir uns in solchen Diskussionen ausschliesslich mit uns selber und unseren Befindlichkeiten beschäftigen. Also etwa, ob wir Social Media für unseren persönlichen Seelenfrieden brauchen oder nicht.

Diese Nabelschau verunmöglicht den Blick auf viel wesentlichere Entwicklungen, nämlich das, was sich rund um uns herum verändert hat: Soziale Medien sind eine hervorragende Möglichkeit, mit Informationen und Geschichten an Leute zu gelangen, die keine Zeitung mehr lesen. Und es auch nie mehr tun werden, obschon sie sich durchaus für unsere Themen interessieren. Diese Möglichkeiten der Verbreitung aktiv zu nutzen macht nicht nur für freie Journalistinnen und Journalisten Sinn, sondern auch für Festangestellte und Medienhäuser als Ganzes.

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